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Training as Vehicle to Employment (TVE): Rundbrief No. 1, Oktober 2006

Lieber Leser

Willkommen zu unserem ersten Rundbrief des von der EU mitfinanzierten Projektes Barrierefrei vom Studium zum Beruf, wie es in Deutschland heißt. Die Partner sind das Independent Living Institute, Schweden, die Zentren für selbstbestimmt Leben in Bad Kreuznach (Deutschland), Dublin, Helsinki, Thessaloniki, Iniciativas y Estudios Sociales, Spanien, Integracja, Polen, und Apeirons, Lettland.

Wir arbeiten mit staatlichen Stellen und Organisationen in einer Anzahl europäischer Länder zusammen, um zu erreichen, dass deren Ausbildungs- und Trainingsprogramme auch für junge qualifizierte Mensachen mit Behinderungen offen sind. Um deren Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, versuchen wir geeignete Praktikums- und Ausbildungsplätze zu finden, damit diese Arbeitserfahrung sammeln können und einen Einblick in die Arbeitweise auf oberer Hierarchieebene erhalten, die für das weitere Berufsleben äußerst wertvoll ist. Die Ergebnisse werden in einer Internetdatenbank unter "Study and Work for all" veröffentlicht.

Diese Arbeit ist aber zu wichtig, um auf die bestehende Partnerschaft begrenzt zu sein. Wir laden interessierte Organisationen ein, sich unserem Projekt als assoziierte Partner anzuschließen. Während unsere EU Finanzierung gegenwärtig auf die 8 Partner-Organisationen begrenzt ist, können wir Organisationen bei eigenen Finanzierungsanträgen aufgrund unserer Erfahrungen mit dem erfolgreichen Projektvorschlag, dessen Argumentation, Methodik sowie Zeit- und Finanzplanung unterstützen. Wir sind sicher, dass auch aufgrund der Synergieeffekte, welche das vorgeschlagene Konzept enthält, bei Finanzierungsstellen eine positive Einschätzung erzielt werden kann. Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die Koordinatorin des Projektes, Nicoletta Zoannos.

Lesen Sie mehr über das Projekt und die Partner auf der Webseite www.independentliving.org

Neues vom Projekt

Das Projekt hat Anafang 2006 die Arbeit aufgenommen. Im Moment sind die nationalen Koordinatoren in Schweden, Deutschland, Griechenland, Finnland, Irland, Spanien, Polen und Lettland damit beschäftigt staatliche Stellen und Organisationen mit deren Angeboten an Ausbildungs- und Praktikum-Programme aufzulisten. Die Koordinatoren versuchen auch herauszufinden, wie viele davon, ausdrücklich angeben, dass sie auch offen sind für qualifizierte Menschen mit Behinderungen.

In diesem Infobrief werfen wir einen näheren Blick auf drei Ländern; Deutschland, Griechenland und Spanien, um zu sehen, welche Antworten sie von den öffentlichen Stellen erhalten haben.

Anzahl kontaktierter Stellen/Organisationen:

Deutschland: Es wurde zu ca. 800 Stellen per E-mail und davon wiederum zu ca. 60 Stellen telefonisch Kontakt aufgenommen.

Griechenland: 18 Ministerien, 19 Universitäten, 14 technologische pädagogische Institute, staatliche Schulungs-Zentren (nicht alle, da es Hunderte gibt). Nur von wenigen haben wir Rückmeldung mit ausführlichen Informationen über ihre Schulungsaktivitäten bekommen. Aber es gibt noch Hunderte von Unterabteilungen dieser staatlichen Agenturen, die getrennt interviewt werden müssen, da sie oft unabhängig hinsichtlich der Angebote zu Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen agieren.

Spanien: Mit 24 staatlichen Stellen wurde direkt per Telefon Kontakt aufgenommen. 39 Personen dieser Stellen wurden per E-Mail angeschrieben

Wie viele bieten einen Ausbildungs- bzw. Praktikumplatz an?

Deutschland: die meisten von der Befragten bieten Ausbildungs- bzw. Praktikumsplätze an. Sie unterscheiden sich in Art und Dauer.

Griechenland: von den kontaktierten oberen staatlichen Stellen bieten die Meisten formale Ausbildungs-. und/oder Praktikumsprogramme an. Einige davon auf regelmäßiger Basis, z.B. jährlich.

Spanien: Alle, hauptsächlich Praktukumsplätze.

Wie vielen dieser Organisationen geben deutlich auf ihren Homepages an, dass sie Praktukums-/ Ausbildungsplätze haben, die offen sind für Menschen mit Behinderungen?

Deutschland: Die staatlichen Stellen sind per Gesetz verpflichtet, sicherzustellen, dass ihre Programme für alle offen sind.

Griechenland: hat eine umfangreiche Anzahl von verschiedenen staatlichen Einrichtungen, die Ausbildungs-/ Praktukumsplätze anbieten. Nachfolgend einige Beispiele. 124 öffentliche berufliche Schulungs-Institute (IEK) in Griechenland bieten bis zu 180 verschiedene zweijährliche Schulungs-Programme (bis zu 4 Semestern) an. All diese Programme sind auch offen für Auszubildende mit Behinderungen. Dennoch, es gibt keine offizielle politische Maßnahme, welche den Weg zeigt, wie jene Programme für alle zugänglich sein können. Die öffentlichen IEKs Gebäude sind jedoch gemäß den verpflichtenden Bundes Richtlinien für öffentliche Gebäude, zugänglich. Mehr als 200 berufliche Schulungs-Zentren (KEKs) für den öffentlichen und privaten Sektor organisieren fortlaufende informelle Schulungs-Programme mit dem Ziel Ausbildung und Beschäftigung zu verbinden.
In 20 speziellen Zentren für soziale und berufliche Integration für Menschen mit Behinderungen, werden einige Arten von Ausbildung oder Praktikum angeboten. Die Zentren für Erwachsenenbildung (K.E.E.) fördert die Verbesserung der schulischen, beruflichen und sozialen Bedingungen von benachteiligten gesellschaftlichen Gruppen und Personen. Es gibt gegenwärtig, 43 KEEs, die Schulungsprogramme anbieten (bis zu je 250 Stunden) für 56010 Auszubildende für den Zeitraum 2005-2006 (co-finanziert durch den europäischen Sozial Fond).

Spanien: Nicht jede Agentur gibt Infos direkt über Ausbildungs-/Praktikumprogramme auf ihrer Homepage, und diejenigen, die das tun, erwähnen keine behinderten Männer und Frauen. Erst bei der Bewerbung kann man in den Unterlagen sehen, dass die " Königlichen Direktive 2271/2004 folgen, die den Zugang zu öffentlicher Anstellung für Menschen mit Behinderungen regelt, auch hier Anwendung findet.

Was für Antworten und/oder Reaktion haben Sie bekommen, wenn Sie die oben erwähnten Fragen fragen?

Deutschland: In den geführten Interviews, gaben die meisten an, dass Menschen mit Behinderungen, in allen Programmen eingeschlossen sind. Die Schwierigkeiten zeigen sich aber in der konkreten Umsetzung, z.B. Zugang zu den Gebäuden, Arbeitsplatzausstattung etc. Viele der Verantwortlichen Mitarbeiter vor Ort sind sich der Probleme bewusst und versuchen kleine Lösungen, z.B. berücksichtigen nur solche Menschen mit entsprechenden Behinderungsarten und passender Einrichtung. Nur wenige der Verantwortlichen nehmen Hilfe und Unterstützung durch Beratungsstellen in Anspruch, z.B. für eine angepasste Arbeitsplatzausstattung. Bewirbt sich ein qualifizierter Mensch mit Behinderung um eine Ausbildungs-/Praktikumstelle wird er genauso behandelt wie ein Mensch ohne Behinderung? Hier liegt der Unterschied zwischen Theorie und Praxis

Griechenland: Es gibt Organisationen, die einfach erklären, dass sie gegenwärtig keine Ausbildungs- oder Praktikumsplätze für Menschen mit Behinderungen zur Verfügung stellen können. Mit der Frage der Zugänglichkeit sind viele nicht vertraut, weil es keine behinderten Mitarbeiter innerhalb ihrer Belegschaft gibt. Einige wenige scheinen offen, entsprechende Maßnahmen für die Integration behinderter Menschen als zukünftige Auszubildende und Mitarbeiter zu fördern.Die Wahrheit ist, dass die meisten staatlichen Stellen kürzlich gezwungen wurden den Anweisungen des Maßnahmenplans der Elemente für die Form der Anstellung von Menschen mit Behinderung des Ministeriums des Innern, der öffentlichen Verwaltung und Dezentralisation zu folgen, welcher vom Minister im April 2006 unterzeichnet wurde.
Diese Regierungsmaßnahme hat die öffentlichen Stellen aufgeweckt und sensibler für die Fragen der Zugänglichkeit hinsichtlich Ihrer eigenen Aktivitäten gemacht. Innerhalb des Kontextes der Politik des Ministeriums, hinsichtlich der Verbesserung der Qualifikation griechischer Arbeitskräfte, ist die Erleichterung von Pflichten insbesondere der Mitarbeiter mit Behinderungen besonders wichtig. Um eine entsprechende Politik für Mitarbeiter mit Behinderungen zu formulieren, hat das Ministerium staatlichen Behörden entsprechende Fragebogen zugesandt, bezüglich Anzahl der Mitarbeiter mit Behinderung pro Sektor und Besonderheiten, der institutionelle Rahmen bei Einstellungen, deren Aufgaben und schließlich der Probleme an ihrem Arbeitsplatz (z.B. Zugänglichkeit, Arbeitsbedingungen, Arbeitszeit etc.).

Spanien: Vielen der Staatsbeamten ist nicht bewusst, dass es einen Unterschied zwischen Menschen mit und Menschen ohne Behinderungen gibt, wenn es um die Akzeptanz für eine Ausbildungs-/Praktikumstelle geht. Sie beziehen sich immer auf die Königliche Direktive 2271/2004, welche solche Situationen regelt. Wenn man sie aber konkret danach befragt, (ob das Gebäude zugänglich ist, welche technische Hilfe zur Verfügung steht welche Einrichtung sie anbieten, usw.) muss man feststellen, dass sie nicht in der Lage sind diese Fragen richtig zu beantworten. In der Tat, haben wir den Eindruck gewonnen, dass dies außer Kontrolle ist und dass viele Staatsbeamten eindeutig keine Kenntnis über Probleme haben, denen ein Auszubildender mit Behinderung hinsichtlich Zugänglichkeit etc. gegenübersteht.

Bezahltes Praktikum für Menschen mit einer Behinderung im europäischen Parlament:

Das Hauptziel dieses Programms ist es, eine von jungen Menschen mit Behinderungen sinnvolle und wertvolle Arbeitserfahrung anzubieten sowie die Möglichkeit, sich mit den Aktivitäten des Europäischen Parlamentes vertraut zu machen. Die Praktika richten sich sowohl an Absolventen von Universitäten und ähnlichen Institutionen sowie an Menschen unterhalb dieser Qualifikation. Nur Bewerber, die nachweisen können, dass sie eine Behinderung haben, werden berücksichtigt. Die Praktikanten erhalten eine monatlich Vergütung von 1.070 Euro sowie eine Erstattung der zusätzlichen Kosten, soweit diese durch die Behinderung bedingt sind, bis zu maximal 50% der monatlichen Vergütung.

Die derzeitige Bewerbungsfrist läuft bis Mitternacht den 15. Oktober 2006.

Lesen Sie mehr über das Praktikumsprogramm und die Bewerbungsbedingungen auf der Webseite des European Parliament.

Der nächste Rundbrief des Projektes Training as Vehicle to Employment (TVE) erscheint im Dezember.

Mit freundlichen Grüßen

Nicoletta Zoannos, Projekt-Koordinator,

Independent Living Institute


Training as Vehicle to Employment, TVE, was a two year project that started in January 2006 and ended in December 2007.